Folgender Zeitungsbericht war zu lesen:

am 5. Juni 1974 in der LNN (Luzerner Neuste Nachrichten)


Das Gebiet der Seewenalp mit See, Kurhaus (Bildmitte) sowie dem kleinen und grossen Fürstein (2040 m).

Schiessplatz Glaubenberg um 174 Hektaren Land erweitert

Wanderparadies Seewenalp wird Militärgebiet

Nur noch einen Sommer lang wird die Familie Seeberger aus Malters das Kurhaus Seewenalp im Kanton Obwalden führen: Das Land - 174 Hektaren gross - ist durch Kauf in den Besitz des Bundes übergegangen. Die Militärverwaltung hat damit durch konsequenten Landzukauf den Schiessplatz Glaubenberg auch um diese Wanderoase «arrondieren» können.

hp. Durch sukzessive durchgeführte Landkäufe ist es dem Eidgenössischen Militärdepartement gelungen, im Verlaufe der Jahre am Glaubenberg (Obwalden) den Militärschiessplatz auszuweiten. Wie eine Oase nahm sich in dieser Militärzone noch die 174 Hektaren umfassende Seewenalp aus, die sich wie eine breite Sonnenmulde am Fusse des Fürstein und Rickhubel ausdehnte. Nun hat sich der Ring geschlossen: Dieser Tage ist die von Militärgebiet eingeschlossene Alp mitsamt Kurhaus in den Besitz des Bundes übergangen. Der Verkauf darf allerdings nicht als Kurzschlusshandlung der privaten Besitzer gewertet werden, denn das Militärdepartement versuchte über seine Liegenschaftsabteilung seit mindestens sechseinhalb Jahren diesen Kauf zu tätigen. Damit nimmt auf der Seewenalp die hundertjährige Geschichte der Familie Seeberger einen Abschluss, der von unzähligen Freunden dieses einzigartigen Wander- und Tourengebietes wohl sehr bedauert wird.

Vertrieb Schiesslärm die Gäste?

Es mögen rund 100 Jahre seither sein, dass Eusebius Seeberger die Seewenalp käuflich erworben hat und später an seinen Schwiegersohn Isidor Burkhard-Seeberger übergab. Dieser erstellte in der Blütezeit des Fremdenverkehrs beim überaus malerischen Bergseelein das Kurhaus und begründete damit eigentlich den Höhenkurort Seewenalp. 1919 ging das Besitztum über an Niklaus Seeherger, der es im Jahr 1931 an seinen Sohn Josef Seeberger-Meyer übertrug, der ebenfalls wieder die Alpwirtschaft nebst der Leitung des Kurhauses bewältigte. Dies ist um so bemerkenswerter, als auf der Alp rund 100 bis 120 Stück Jungvieh gesömmert werden. Seine Schwester Marie Seeberger erbaute 1936 die schmucke Bergkapelle nahe dem Kurhaus. Seither haben während der Sommersaison auf der Seewen regelmässig Gottesdienste für Kurhausgäste, Touristen und Aelpler stattgefunden. Im Jahre 1966 haben Erna und Josef Seeberger-Krummenacher das Kurhaus und die mittlere Seewenalp übernommen und sie haben seither dem gastgewerblichen Betrieb viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Auf Anfrage hin erklärte uns Josef Seeberger-Krummenacher, dass der Verkauf nur ungern vorgenommen wurde und als Vernunftlösung betrachtet werden müsse. Die mehrjährigen Bemühungen der militärischen Instanzen seien wie ein Druck empfunden worden, zumal letzlich sogar von der Möglichkeit einer Enteignung gesprochen worden sei! Die zunehmende Zahl der Schiessübungen im Raume Glaubenberg habe aus Sicherheitsgründen vermehrt zur Sperrung der Zugangswege geführt, so dass man auf der Seewen vergeblich auf Gäste wartete!

Der letzte Sommer auf Seewenalp

Nachdem die Verkaufsverträge allseitig unterzeichnet sind, ist die Zukunft der Seewenalp als Touristengebiet noch nicht völlig klar zu erkennen. Fest steht im Moment, dass der letzte Besitzer der Alp, Josef Seeberger-Krummenacher, mit seiner Gemahlin Erna im Sommer 1974 den Kurhausbetrieb letztmals führen wird. Die Kapelle dürfte mit Sicherheit erhalten bleiben: Die Kirchgemeinde von Sarnen und Schwendi müssen sich wohl in dieser Hinsicht einige Ueberlegungen machen. Freunde der Seewenalp und des Gebietes am Fürstein aber hoffen, dass die militärischen Instanzen sich der Schönheit dieser Landschaft und ihrer reichen Flora eingedenk sind, und auf diese Gegebenheiten ebenso Rücksicht nehmen werden wie auf die Interessen der Wanderer



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