
Das Gebiet der Seewenalp mit See, Kurhaus (Bildmitte) sowie dem kleinen und grossen Fürstein (2040 m).
Schiessplatz Glaubenberg um 174 Hektaren Land erweitert
Wanderparadies Seewenalp wird Militärgebiet
Nur noch einen Sommer lang wird die Familie Seeberger aus Malters das Kurhaus
Seewenalp im Kanton Obwalden führen: Das Land - 174 Hektaren gross - ist durch
Kauf in den Besitz des Bundes übergegangen. Die Militärverwaltung hat damit durch
konsequenten Landzukauf den Schiessplatz Glaubenberg auch um diese Wanderoase «arrondieren» können.
hp. Durch sukzessive durchgeführte
Landkäufe ist es dem Eidgenössischen Militärdepartement gelungen, im Verlaufe der
Jahre am Glaubenberg (Obwalden) den
Militärschiessplatz auszuweiten. Wie eine
Oase nahm sich in dieser Militärzone noch
die 174 Hektaren umfassende Seewenalp
aus, die sich wie eine breite Sonnenmulde
am Fusse des Fürstein und Rickhubel ausdehnte. Nun hat sich der Ring geschlossen:
Dieser Tage ist die von Militärgebiet eingeschlossene Alp mitsamt Kurhaus in den
Besitz des Bundes übergangen. Der Verkauf darf allerdings nicht als Kurzschlusshandlung der privaten Besitzer gewertet
werden, denn das Militärdepartement versuchte über seine Liegenschaftsabteilung
seit mindestens sechseinhalb Jahren diesen
Kauf zu tätigen. Damit nimmt auf der
Seewenalp die hundertjährige Geschichte
der Familie Seeberger einen Abschluss, der
von unzähligen Freunden dieses einzigartigen Wander- und Tourengebietes wohl
sehr bedauert wird.
Vertrieb Schiesslärm die Gäste?
Es mögen rund 100 Jahre seither sein,
dass Eusebius Seeberger die Seewenalp
käuflich erworben hat und später an seinen
Schwiegersohn Isidor Burkhard-Seeberger übergab. Dieser erstellte in der Blütezeit
des Fremdenverkehrs beim überaus malerischen Bergseelein das Kurhaus und begründete damit eigentlich den Höhenkurort Seewenalp. 1919 ging das Besitztum über an Niklaus Seeherger, der es im Jahr
1931 an seinen Sohn Josef Seeberger-Meyer übertrug, der ebenfalls wieder die
Alpwirtschaft nebst der Leitung des Kurhauses bewältigte. Dies ist um so bemerkenswerter, als auf der Alp rund 100 bis
120 Stück Jungvieh gesömmert werden.
Seine Schwester Marie Seeberger erbaute
1936 die schmucke Bergkapelle nahe dem
Kurhaus. Seither haben während der Sommersaison auf der Seewen regelmässig
Gottesdienste für Kurhausgäste, Touristen
und Aelpler stattgefunden. Im Jahre 1966
haben Erna und Josef
Seeberger-Krummenacher das Kurhaus und die mittlere Seewenalp übernommen und sie haben seither
dem gastgewerblichen Betrieb viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Auf Anfrage hin erklärte uns Josef Seeberger-Krummenacher, dass der Verkauf
nur ungern vorgenommen wurde und als
Vernunftlösung betrachtet werden müsse.
Die mehrjährigen Bemühungen der militärischen Instanzen seien wie ein Druck
empfunden worden, zumal letzlich sogar
von der Möglichkeit einer Enteignung gesprochen worden sei! Die zunehmende
Zahl der Schiessübungen im Raume Glaubenberg habe aus Sicherheitsgründen vermehrt zur Sperrung der Zugangswege geführt, so dass man auf der Seewen vergeblich auf Gäste wartete!
Der letzte Sommer auf Seewenalp
Nachdem die Verkaufsverträge allseitig
unterzeichnet sind, ist die Zukunft der Seewenalp als Touristengebiet noch nicht völlig klar zu erkennen. Fest steht im Moment, dass der letzte Besitzer der Alp,
Josef Seeberger-Krummenacher, mit seiner
Gemahlin Erna im Sommer 1974 den Kurhausbetrieb letztmals führen wird. Die Kapelle dürfte mit Sicherheit erhalten bleiben:
Die Kirchgemeinde von Sarnen und
Schwendi müssen sich wohl in dieser Hinsicht einige Ueberlegungen machen. Freunde der Seewenalp und des Gebietes am
Fürstein aber hoffen, dass die militärischen
Instanzen sich der Schönheit dieser Landschaft und ihrer reichen Flora eingedenk
sind, und auf diese Gegebenheiten ebenso
Rücksicht nehmen werden wie auf die Interessen der Wanderer
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